Ein Jahr Spam
Der ganz normale Wahnsinn
Der Mailserver, wie unter http://www.tedesca.net/bez/homeoff/antispam.html beschrieben, ist mittlerweile ein Jahr in Betrieb.
In diesem Zeitraum wurden durch den Mailserver 15.257 Nachrichten erfolgreich zugestellt, wovon nur noch etwa 3 bis 5% Spam waren. Dem gegenüber stehen 2.040.307 (in Worten: zwei Millionen) Nachrichten, die gar nicht erst angesehen wurden, weil sich schon der gegenüberliegende Mailserver mit einem unglaubhaften Namen identifizierte oder weil der Empfängername auf meinem Mailserver nicht existiert.
Das bedeutet, daß im Schnitt pro Tag 42 gute Mails kommen und dagegen alle 15 Sekunden eine Müll-Mail.
Interessant ist, daß die beiden betriebenen Domains sehr unterschiedliche Popularität genießen. Die erst seit April 2004 in Betrieb befindliche TEDESCA.NET bringt es nur auf ganz schwache 2.000 Angriffe pro Jahr, die restlichen 2.038.000 entfallen auf Barnim.Net, die schon seit Januar 1998 in Betrieb ist. Auch Domainnamen müssen halt erst reifen, bis sie gern genossen werden.
Den Vogel abgeschossen hat der Internetteilnehmer 199.217.136.94, wohinter sich http://www.slay.com verbirgt. Ein Benutzer des Servers von Slay Industries (Motto: "Quality is our driving force") hat zwischen dem 5. Juni 2004 morgens und dem 9. Juni morgens insgesamt 374.509 mal versucht, den Empfänger vvkcxw@barnim.net zu kontaktieren. So sah der erste Versuch aus und, wahrlich, alle anderen 374.508 sahen exakt genau so aus:
Jun 5 07:49:08 hiob postfix/smtpd[14843]: NOQUEUE: reject:
RCPT from www.slay.com[199.217.136.94]: 554 <vvkcxw@barnim.net>:
Sender address rejected: Access denied;
from=<vvkcxw@barnim.net> to=<vvkcxw@barnim.net> proto=ESMTP
helo=<proxyserv.slay.com>
Man soll nicht glauben, daß jemand sich beim Spamversenden so dämlich anstellt. Am 7. Juni 2004 kam es im Schnitt alle 0,8 Sekunden zu einer Kontaktaufnahme. Slay Industries (ansässig in St. Louis) selbst sagt: "Slay provides its customers with value-added, quality services and an emphasis on safety." Wenn die Jungs nicht so smart wären, würden sie also noch dümmere Nutzer auf ihren Server lassen. Merke: Alles kann immer noch schlimmer kommen.
Statistisch bereinigt um diesen Schwachsinn der Sonderklasse kommt für den Rest des Jahres immer noch alle 20 Sekunden eine Müll-Mail.
Hier die Top 50 der nichtexistenten Empfängernamen, wobei ich beschlossen habe, vvkcxw@barnim.net aus Gründen der Fairneß nicht zu werten:
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Was lehrt uns das? Ich dachte, solche Angriffe nennen sich "Wörterbuchattacke", weil - nun ja, das muß wohl nicht erläutert werden. Welche Art von Wörterbuch benutzen diese Burschen? Wären sie vielleicht erfolgreicher, wenn sie mal ein richtiges Wörterbuch verwendeten?
Ich beneide Simon Wilkinson ein wenig ob seiner Popularität bei sehr durchschnittlichem Namen, frage mich, ob die romatische Beziehung von Marilyn & Steve auf dem richtigen Bahnsteig stattfindet, und was den vierten Mark Robson erfolgreicher macht als die ersten drei.
Nun gut, Simon Wilkinson habe ich selbst populär gemacht. In meinem HOWTO "Kampf gegen Spam mit Postfix und Spamassassin" habe ich Simon Wilkinson in einem kurzen Beispiel erwähnt. So ist Simon Wilkinson zur selbsterfüllenden Prophezeihung geworden.
Erneut hat sich erwiesen: Das Böse ist ganz banal, geradezu sterbenslangweilig. Das ließ mir keine Ruhe, und so versuchte ich wenigstens, die wenigen Perlen herauszufischen.
| Platz | Häufigkeit | Mailadresse | Anmerkung |
| 76 | 1180 | miriamschenk@barnim.net | ist ein ehrlicher deutscher Name, wie man ihn aber auch leider zu Tausenden findet. Keine heiße Spur. |
| 83 | 1169 | richard.bomber.lancaster@barnim.net | "Der Krieg ist vorbei", war ich versucht zu sagen, oder zumindest: "konzentriert Euch doch jetzt auf den Kampf gegen die EU". Aber auch den Bomber habe ich selbst zu verantworten, denn er stand ebenfalls in meinem kleinen Beispiel. |
| 169 | 974 | peter.j.lipowicz@barnim.net | Herr Lipowicz war mir gleich aufgefallen. Für Herrn Lipowicz kann ich definitiv nichts. Er hat unter anderem eine wissenschaftliche Arbeit über die Partikelfiltration mit Kohlenstoff-Nanoröhren verfaßt. Ehrenvoll, er ist aber nicht auf meinem Mailserver zuhause. |
| 246 | 906 | pietvanderhulle@barnim.net | Piet van der Hulle lebt in Holland und spielt Bridge im Club "Sans Stress". Natürlich wüßte ich gern, was sonst ihn auszeichnet. |
| 505 | 777 | michael.smith13@barnim.net | ist meines Wissens der Name, mit dem man sich im Hotel einträgt, wenn man eine Affaire wagt. |
| 604 | 742 | lostsearcher@barnim.net | verschaffte mir einen Blick in den Abgrund und ich gab auf, noch eine Perle finden zu wollen. |
Die oben aufgelisteten fünfzig Email-Adressen werden eine explosionsartige Vergrößerung ihrer Popularität erfahren, denn durch ihre Erwähnung hier im Internet gilt ihre Existenz als bestätigt. Aber ich schwöre: Niemals wird ein Nutzer von Tedesca.Net den Namen "Richard Bomber Lancaster" führen. Nie. Also bitte niemals eine Email an richard.bomber.lancaster@tedesca.net schicken.
Nicht fehlen darf hier eine Übersicht, wo der ganze Spam herkam. Diese hat mich überrascht:
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Das kann uns vor allem eines lehren: China und Korea sind besser als ihr Ruf.